Annina Boger Romance Liebesroman Band 3:    IRRFAHRT BIS LIEBE: E-Book NEU

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Inhalt (Klappentext)

Ein einziger Ausrutscher in Sektlaune, und das Angstkarussell beginnt sich bei der jungen, vernunftbetonten Sandra zu drehen: Sie hat nicht verhütet! Ausgerechnet mit ihrem unberechenbaren, verheirateten Juniorchef Alexander und dessen Mischlingshündin Sonny macht sie sich im Urlaub auf die Suche nach dem Mann, dem sie sich für eine Nacht hingegeben hat.

 

Die Fahrt im Cabrio führt die drei durch die Westschweiz über die französische Provence bis zur Orangenblütenküste am spanischen Mittelmeer. Ein traumhaftes Erlebnis für Sandra, wären da nicht ihr Seniorchef Eric, der sich als Kontrollfreak herausstellt – und das Wechselbad der Gefühle in ihr. Denn in Spanien kommt es zu einer unerwarteten Wendung für Sandra!

 

Anzahl Wörter: ca. 68‘700

 

IRRFAHRT BIS LIEBE: Leseprobe online

 

Annina Boger Romance Liebesroman

 

Band 3

 

E-Book herausgegeben Juli 2017 von:

 

SchreibARTelier Gerber Germany

 

Anzahl Wörter: ca. 68'000 (plus Anhang)

 

Anzahl Druckseiten: ca. 320 (plus Anhang)

 

Copyright © geschütztes Material.

 

Alle Rechte vorbehalten.

 

 

Prolog

 

Ein Sonnenstrahl stahl sich durch die Ritzen der Fensterläden und huschte in die Ecke des Schlafzimmers hinüber, wo zwei Menschen eng aneinander gekuschelt unter einem Betthimmel aus leichtem Vorhangstoff lagen. Ungeniert hüpfte der Lichtschein über die zerwühlten Laken, beleuchtete die schlafenden Gesichter eines braungebrannten nackten Mannes mit Dreitagebart und schwarzer Mähne sowie einer jungen Frau mit honigblonder Wuschelfrisur im Schlafshirt.

 

Sandra Becker erwachte von jenem blendenden Strahl – und von einem unangenehmen Druck in der Magengegend. Schlaftrunken tastete sie nach dem Objekt, das ihr die Luft abdrückte. Erschrocken riss sie die Augen auf, als sie auf etwas Warmes, Lebendiges stieß:

 

Ein behaarter Männerarm lag quer über ihrem Bauch!

 

Jäh überfiel sie die Ahnung von etwas Unverzeihlichem, das sich in der vergangenen Nacht ereignet haben musste. Wirre Bilder stiegen in ihr auf, zusammen mit heftigen Kopfschmerzen. Leise stöhnend drückte sie die Fingerspitzen an die pochenden Schläfen.

 

O Schreck, was habe ich getan?

 

 

 

Kapitel 1 – Brummende Köpfe

 

Wenn es doch nur die Tage danach nicht gäbe, stöhnte Alexander Röhricht innerlich, als seine Mischlingshündin Sonny ihm über das Gesicht leckte. Sie war pünktlicher als jeder Wecker, wollte ihr Fressen und danach draußen ihr Morgengeschäft erledigen und im Gras herumtollen.

 

Alexander tastete über die schwarzen Rasta Zöpfe und tätschelte die Wange seiner jungen Frau, die wie ein Igel eingerollt neben ihm lag.

 

»Ich stehe gleich auf, lässt du sie schon mal raus«, bat er heiser und räusperte sich mehrmals. Er hasste den pelzigen Geschmack auf seiner Zunge, doch das war nun mal die Folge des Alkoholgenusses, und so nahm er ihn allmorgendlich in Kauf.

 

»Pah, warum sollte ich, du bist erst um drei heimgekommen. Wenn du ohne mich absacken kannst, kannst du dich auch selbst um deinen Köter kümmern«, murrte Emma.

 

Sorry Sonny, hab' dich ja lieb, aber jetzt muss ich ausrufen, sonst spielt dein Herrchen hier weiter den Pascha, leistete sie der Hündin stillschweigend Abbitte. Sie schnappte sich die Decke, die Alexander ihr im Schlaf weggezogen hatte, und kehrte ihrem Mann den Rücken zu. »Ich habe sowieso die Nase voll von deinen nächtlichen Sauftouren!«, schniefte sie.

 

Sonny begann zu winseln und lief unruhig von einer Seite des Bettes zur anderen – wie immer, wenn Herrchen und Frauchen sich stritten, was in letzter Zeit öfter vorkam. Offenbar ging es diesmal um sie, da sie wiederholt ihren Namen hörte.

 

»Dann stehe ich eben auf. Aber vergiss eines nicht: Du lebst hier bequem auf meine Kosten und brauchst nicht mehr zu arbeiten, da könntest du wenigstens am Morgen mit Sonny raus.«

 

»Das tue ich doch schon tagsüber und bis in alle Nacht, wenn du ständig weg bist«, fauchte Emma ihm nach, als Alexander murrend aus dem Zimmer schlurfte, dabei beinahe über die erwartungsvoll bellende Sonny stolpernd. »Außerdem hast du mich gedrängt, meine Stelle aufzugeben, was ich schon lange bereue!«, rief sie laut genug, dass er es hören konnte.

 

Alexander sollte nicht sehen, dass ihr die Tränen in die Augen stiegen. Kaum zwei Monate war ihre Ehe gut gegangen, seither sackte er regelmäßig ab, meistens wenn er mit seinem Geschäftspartner Eric Freiburg unterwegs war.

 

Es schien, als trieben sich die beiden gegenseitig an. Denn wenn Alexander heimkam, erzählte er ihr mit treuherzigem Augenzwinkern, er sei halt wieder schwach geworden. Gestern zum Beispiel, als er mitten in der Nacht heimkehrte, seine Anzugjacke und eine Flasche Burgunderwein unter dem Arm:

 

»Wir haben um diesen edlen Tropfen gewettet, wer am schnellsten eine Flasche Whisky leeren kann, da konnte ich doch nicht mittendrin aufhören, sonst hätte ich die Rechnung bezahlen müssen!«, verständnisheischend blickte er zu Emma auf und stammelte: »Der Barkeeper hat den Whisky für uns in gleich viele Schnapsgläser abgefüllt und auf der Theke aufgereiht. Auf drei ging's los und ...«

 

»Verschone mich mit weiteren Details«, fuhr Emma wütend dazwischen. »Glaubst du, es interessiert mich, wer eure pubertären Möchtegern-Cowboy-Spielchen gewonnen hat, wenn ich hier rumsitze und vor Angst bibbere, dir könnte was passiert sein? Erst Recht, wenn du in diesem Zustand noch Auto fährst!« Sie schlurfte ins Badezimmer.

 

Alexander war zu ihr gewankt und wollte sie umarmen. »Unkraut vergeht nicht, das weißt du doch! Komm schon, gib deinem Mann einen Kuss und lass uns mit einem Glas Wein Versöhnung feiern«, lallte er und nickte in Richtung Schlafzimmer.

 

Bei der Erinnerung daran ballte Emma die Hände zu Fäusten. Sie hatte sofort gewusst, was Alexander wollte. Dieser Mann war unersättlich, selbst vollbesoffen konnte er noch an Sex denken! Alkohol und Sex! Dabei zwang er sie nicht etwa mit brutaler Gewalt, aber er bettelte, zwickte und streichelte sie so lange, bis sie nachgab, nur damit sie endlich schlafen konnte.

 

Ich kann nicht mehr! Diese vier Worte drehten sich seit Wochen in ihrem Kopf. Alexander macht mich kaputt, ich muss mich von ihm trennen. Aber wo soll ich dann hin, wovon kann ich leben? Hätte ich doch meine Stelle als Verkäuferin nicht aufgegeben!

 

Alles hatte sie ihm zuliebe aufgegeben: ihre Wohnung samt Einrichtung (weil ihre eigenen Sachen ihm nicht passten), ihren Job, ihre gewohnte Umgebung, ihre treuen Freunde – und ihre Freiheit! Eingetauscht gegen ein Leben in angenehmem Wohlstand mit ihrem unberechenbaren Ehemann, gegen seelische Achterbahnfahrten – und unerträgliche Einsamkeit! Als Single hatte sie sich niemals so leer gefühlt wie in den langen Nächten, in welchen sie auf ihren launenhaften Ehemann wartete.

 

 

 

Bevor Alexander zur Arbeit fuhr, ging er noch einmal ins Schlafzimmer zurück, küsste seine Frau auf die schokoladebraune Schulter und flüsterte verführerisch:

 

»Ich komme am Mittag nach Hause. Habe die Steaks aus dem Tiefkühler genommen, kochst du uns was Feines? Bis dann, hab' dich lieb Schatz!«

 

Emmas frustriertes Schnauben begleitete ihn ein paar Sekunden auf dem Weg ins Büro, dann vergaß er seine junge Frau und überlegte sich, wie er den kommenden Abend verbringen wollte. Am liebsten würde er sich mit seinen Pokerfreunden treffen, doch dann hing sein Haussegen noch schiefer. Emma mochte es nicht, wenn er pokern ging und sie alleine ließ. Er holte tief Luft und fasste einen Entschluss:

 

Sollte wohl wieder mal mein Frauchen ausführen, sonst wird sie noch zickiger.

 

Als er in die Garageneinfahrt des Mehrfamilienhauses fuhr, in dem das Versicherungsmaklerduo Freiburg & Röhricht sich eingemietet hatte, erhaschte Alexander einen Blick auf den schwingenden Rocksaum und die hübschen Beine seiner Assistentin Sandra Becker, die soeben durch die Haustür verschwand. Ein anerkennendes Grinsen huschte über sein missmutiges Gesicht.

 

»Morgen allerseits!«, grüßte er beschwingter, als ihm zumute war, als er kurz darauf die Tür zum Büro aufstieß.

 

Die forschenden Blicke seines Seniorpartners Eric Freiburg und ihrer gemeinsamen Assistentin Sandra Becker wandten sich ihm zu. Beide registrierten sein schlechtes Aussehen, die störrischen halblangen Haare mit dem dunkelblonden Vollbart und tiefe, dunkle Schatten unter den rotgeränderten Augen.

 

Er sollte nicht so viel trinken, dachte die vierundzwanzigjährige Sandra bestürzt und schüttelte sich innerlich. Der Mann sieht aus wie fünfzig.

 

»Hast du deinen Rausch noch nicht ausgeschlafen?«, vernahm sie da Eric Freiburgs kalte Stimme. »Los, wasche dir die Augen mit kaltem Wasser aus, gleich kommt der Schmidt Josef, es geht um ein größeres Projekt.« Ihr Seniorchef rieb sich die Hände, ein zufriedenes Lächeln erhellte seine strengen Züge. »Da liegt einiges für uns drin, verpatze uns bloß diesen Auftrag nicht!«

 

Während Herr Röhricht sich im Bad prustend einen Schwall kalten Wassers ins Gesicht spritzte, richtete Herr Freiburg – zum Glück war er wenigstens seriös – freundlich das Wort an Sandra:

 

»Frau Becker, bringen Sie uns zwei Tassen starken Kaffee ins Gesprächszimmer. Wenn Josef Schmidt kommt, empfangen Sie ihn bitte recht charmant und protokollieren Sie danach unser Gespräch. Wir sollten jedes Wort aufzeichnen, damit wir dem Schmidt ein umfassendes Angebot machen können. Am besten schalten Sie solange den Anrufbeantworter ein.«

 

»Selbstverständlich, Herr Freiburg!« Sandra eilte in die Küche. Was war der Senior doch für ein patenter Chef! Stets gleichbleibend freundlich, handelte er klug überlegend und vorausschauend, und behandelte sie, seine Assistentin, mit ausgesuchter Höflichkeit. Dabei sah er recht passabel aus für seine neununddreißig Jahre: Ein sehr korrekter, sehr distanzierter, drahtiger Mann mittlerer Größe im schicken Maßanzug, mit schwarzen Locken und einem gepflegten, kurzen Ziegenbärtchen.

 

Anders als sein Juniorpartner, der sie manchmal richtig frech anmachte, dann aus heiterem Himmel zusammenstauchte, aber auch total lustig sein konnte, dass sie sich vor Lachen kugelte. Mit Alexander Röhricht war jeder Tag ein kleines Abenteuer, bei dem man nie genau wusste, wie es enden würde. Er war für sie eher ein Freizeitkumpel als ein disziplinierter, vertrauenerweckender Vorgesetzter.

 

Sandra fragte sich, weshalb Herr Freiburg als Hauptteilhaber des unabhängigen Unternehmens sich ausgerechnet Alexander Röhricht zum Juniorpartner ausgesucht hatte. Die beiden passten doch zusammen wie Hund und Katz. Da sie die Küchentür nur angelehnt hatte, hörte sie die drohenden Worte des Seniors mit, die nicht für ihre Ohren bestimmt waren:

 

»Vergiss nicht, dass ich dich aus der Gosse geholt habe. Hätte ich damals deine Schulden nicht bezahlt, würdest du heute noch tiefer drin stecken!«

 

Fast wären Sandra die Tassen entglitten, die sie unter den Kolben der Kaffeemaschine stellen wollte. Sie presste die Hand an den Mund, um ihren Entsetzensschrei zu unterdrücken. Alexander Röhricht in der Gosse? Das hatte sie nicht erwartet, trotz aller bisherigen Erfahrungen mit dem Junior.

 

»Denk an unsere Vertragsklausel: Wenn du so weitermachst riskierst du, deine Anteile und damit dein sorgloses Leben zu verlieren. Was würde Emma dazu sagen?«, fuhr Herr Freiburg eindringlich fort.

 

Alexander Röhrichts Ehefrau Emma mit der schokoladefarbenen Haut, den riesigen Kirschenaugen und dem vollen, sinnlichen Mund (garantiert hyaluronfrei), deren Mutter aus Afrika stammte, war drei Jahre jünger als Sandra selbst. Nicht zum ersten Mal fragte sie sich, wie es sein musste, mit einem solchen Mann verheiratet zu sein. Unverbindlich mit ihm herumalbern und sogar ein klein wenig mit ihm flirten, okay. Aber ihn Tag und Nacht ertragen zu müssen?

 

Das muss der reinste Alptraum sein!

 

»Keine Sorge, ich halte mich an unsere Abmachung, habe keine Drogen mehr angerührt seither. Und saufen tust du doch selber!«, presste Alexander hervor, bevor er die Tür zum Besprechungszimmer hinter sich zuschlug.

 

Drogen? Bestürzt wandte Sandra sich ab, sie musste das Gehörte erst verdauen. Was war heute bloß los? Ob das stimmte, dass der Senior sich auch betrank? Sie hatte ihn bisher nur mustergültig gekleidet und geschäftsmäßig erlebt. Er lachte eigentlich nie, im Gegensatz zu Herrn Röhricht und ihr, doch auf sein Wort konnte sie sich hundertprozentig verlassen. Sie versuchte, ihn sich so betrunken vorzustellen wie den Junior, was ihr nicht gelingen wollte. Ach was, der hatte bestimmt nur gestichelt, um von der heftigen Standpauke abzulenken! Sie rief sich in Erinnerung, was sie von Alexander über das Unternehmen erfahren hatte:

 

Vor fünf Jahren hatte Eric Freiburgs Geschäftspartner Heiner Winter einen Motorradunfall erlitten und war kurz darauf seinen schweren Verletzungen erlegen. Wochen später habe der Senior ihn, Alexander Röhricht, damals knapp dreiundzwanzigjährig, eingestellt. Durch seinen Ehrgeiz und seinen Einsatz habe er sich bis zum Juniorpartner hochgearbeitet. So entstand Freiburg & Röhricht.

 

Die beiden Herren spezialisierten sich auf den Versicherungsbedarf von vorwiegend weiblich geführten Einzel- und Kleinunternehmen: Inhaberinnen von Nagelstudios, Mode-, Styling-, Kosmetik- und Frisiersalons, Massage-, Tierarzt- und Physiotherapie-Praxen, gaben sich hier die Klinke in die Hand. Die Damen hatten offenbar regen Bedarf an Versicherungen – zumindest an zeitintensiven Beratungsleistungen der Herren Freiburg und Röhricht. Diese ließen sich für ihre Dienste fürstlich honorieren, wie Sandra aus den Akten entnehmen konnte.

 

Mit einem sonnigen Lächeln und festem Händedruck begrüßte sie Minuten später den angekündigten 'Großauftrag' Josef Schmidt, der soeben eintrat, und dirigierte ihn plaudernd bis zum Besprechungsraum, wo ihre Chefs ihn übernahmen. Sie deutete auf das vorbereitete Tablett mit Getränkeflaschen, kleinen Snacks und Gläsern.

 

»Was darf ich Ihnen einschenken, Herr Schmidt, oder hätten Sie auch lieber einen Kaffee?«, fragte sie.

 

Der ältere Kunde bedachte sie mit lobenden Blicken, als sie anschließend Platz nahm und das Gespräch der Herren zeitgleich auf dem Laptop eintippte.

 

 

 

 

Kapitel 2 – Rosenkrieg

 

Als Alexander Röhricht gegen dreizehn Uhr die Tür zu seiner Wohnung aufschloss, schnupperte er vergeblich nach dem vertrauten Küchenduft. Er war hungrig wie ein Wolf, die Besprechung mit Josef Schmidt hatte sich länger hingezogen als erwartet, wodurch die folgenden Gespräche sich verzögerten.

 

Alexanders Brauen zogen sich finster zusammen. Er schob Sonny beiseite, die freudig hechelnd an ihm hochsprang und sein Gesicht lecken wollte.

 

Aus dem Wohnzimmer drangen die Stimmen von Emmas Lieblings-Serie. Hatte seine Frau es nicht fertiggebracht, wenigstens das Mittagessen zu kochen? Wozu hatte er diese phlegmatische Kuh eigentlich geheiratet, fragte er sich nicht zum ersten Mal. Kalte Wut stieg in ihm hoch, während er durch den Flur marschierte, um Emma zur Rede zu stellen.

 

»Kannst du mir mal sagen, was hier gespielt wird?«

 

Seine eisige Stimme trieb Emma eine Gänsehaut über den Rücken. Sie robbte tiefer in die Polster der Wohnlandschaft. »Was wohl«, sagte sie schnippisch. »Glaubt der Herr Pascha, ich sei seine Sklavin? Stets zu Diensten, wenn es ihm gerade passt?«

 

Winselnd sah Sonny zwischen den beiden Streithähnen hin und her. Waren sie schon wieder böse auf sie?

 

»Du faule Schlampe, ich muss in einer Stunde wieder im Büro sein. Also steh gefälligst auf und koche mir mein Mittagessen, sonst ...«

 

Ohne den Blick vom Fernseher abzuwenden, schnitt Emma ihm das Wort ab. »Scht, ich will die Sendung nicht verpassen!«, zischte sie.

 

Alexander schäumte innerlich. Er musste sich beherrschen, seine junge Frau nicht brutal vom Sofa und in die Küche zu zerren. Mit verkniffenem Mund warf er ihr einen Blick zu, der nichts Gutes verhieß.

 

Auch Emma erbebte, aus Angst vor seinem plötzlich aufflammenden Jähzorn, ließ es sich jedoch nicht anmerken und tat, als verfolge sie das Geschehen am Bildschirm.

 

Mit einer Verwünschung auf den Lippen drehte Alexander sich um und marschierte in die Küche. Die Steaks lagen noch dort, wo er sie hingelegt hatte. Was tat diese schlaffe Nudel eigentlich den ganzen Tag?

 

Er schnappte sich eine Grillpfanne, goss Bratöl hinein und stellte das Kochfeld auf die zweithöchste Stufe. Nachdem er die Steaks scharf angebraten hatte, schnitt er die letzten zwei Tomaten und eine kleine Zucchini hinein, legte sich einige Scheiben Brot zurecht und garnierte sein Menu mit Kräuterbutter-Rosetten. Das Besteck zwischen den Lippen, den Teller und ein Glas Wein in den Händen balancierend, durchschritt er das Wohnzimmer und setzte sich an den Balkontisch.

 

Sonny trottete hinter ihm her. Bettelnd legte sie ihren Kopf auf seine Knie.

 

»Schon gut Sonny, es hat nichts mit dir zu tun«, murmelte er. Sie legte sich vor seine Füße und winselte leise.

 

Er streichelte kurz über ihr zottiges Fell und warf ihr ein zäheres Fleischstück zu, das sie geschickt mit der Schnauze auffing.

 

Der würzige Duft war Emma in die Nase gestiegen und hatte ihren Appetit angeregt. Da die Serie gerade zu Ende war, stellte sie sich kampfbereit vor Alexander hin. »Und wo ist mein Teller?«

 

Er sah sie so eisig an, dass sie zusammenzuckte.

 

»Dein Teller, meine teure Ehefrau, ist im Schrank!« Seine Stimme triefte vor Spott, während er genüsslich die zartrosa gebratenen Steaks verschlang und auf den Tisch deutete. »Dein Fleisch ist allerdings hier.«

 

»Dann gib es gefälligst her!«

 

Alexander schnitt einen größeren Brocken ab und warf ihn Sonny zu. »Das kannst du dir abschminken. Ab sofort wird das Haushaltsgeld um die Hälfte gekürzt, denn ich gehe in Zukunft über Mittag und öfter am Abend auswärts essen.«

 

»Das Haushaltsgeld kürzen? Lass das mal schön bleiben, sonst hast du mich gesehen!«

 

Ihre Blicke kreuzten sich wie scharfe Klingen.

 

»Das wäre ein kleiner Verlust. Du bist ja nicht mal fähig, die Wohnung sauber zu halten.« Er wies in den Wohnraum hinein. »Schau dir mal diesen Dreckstall an, überall liegen Sachen von dir herum, und heute Morgen habe ich das letzte saubere Hemd aus dem Schrank genommen.« Nach einer kurzen Pause setzte er hart hinzu: »Außerdem kürze ich dir dein großzügiges Taschengeld auf einen Viertel, solange du den Haushalt nicht picobello führst, wie es sich für eine verwöhnte Ehefrau gehört.«

 

Emma schnaubte empört. Das konnte er doch nicht machen! »Dann schlafe ich nicht mehr mit dir!«, drohte sie im Wissen, dass dieses Argument ihn zur Vernunft bringen konnte.

 

»Keine Bange - Sex kann ich mir auch anderswo besorgen.«

 

Sie schnappte nach Luft. »Du – du würdest mit anderen Frauen ...?« keuchte sie entsetzt.

 

 

(...)

 

 

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